Es ist eine der häufigsten Enttäuschungen nach einem Stromausfall: Die Photovoltaikanlage steht auf dem Dach, der Speicher ist halb voll – und im Haus bleibt es dunkel. Das ist kein Defekt, sondern Absicht.
Warum die Anlage abschaltet
Netzgekoppelte Wechselrichter müssen sich bei einem Netzausfall selbsttätig abschalten. Der Grund ist Personenschutz: Würde die Anlage weiter einspeisen, stünde das Netz unter Spannung, während Monteure daran arbeiten. Diese Abschaltung ist zwingend und lässt sich nicht wegkonfigurieren.
Wer bei Netzausfall Strom haben will, braucht deshalb zusätzliche Technik, die den Hausstromkreis sicher vom Netz trennt.
Die drei Stufen
Notstrom
Die einfachste Variante. Am Wechselrichter oder Speicher gibt es eine gesonderte Steckdose, die bei Netzausfall Spannung führt. Sie stecken dort gezielt einzelne Geräte an – Kühlschrank, Router, eine Lampe.
Vorteil: günstig, meist ohne Umbau der Verteilung. Nachteil: begrenzte Leistung, keine Automatik, und Sie müssen physisch an das Gerät herankommen.
Ersatzstrom
Hier trennt eine Umschalteinrichtung das Haus vom Netz und der Wechselrichter versorgt definierte Stromkreise weiter. Die Umschaltung erfolgt automatisch, meist mit einer kurzen Unterbrechung von Sekunden.
Welche Kreise weiterlaufen, wird vorher festgelegt: typischerweise Licht, Kühlgeräte, Heizungssteuerung und Kommunikation. Der Elektroherd und die Wallbox bleiben in der Regel außen vor, weil die verfügbare Leistung begrenzt ist.
Unterbrechungsfreie Versorgung
Ohne jede Unterbrechung – das braucht es bei Servern, medizinischer Technik oder empfindlichen Produktionsprozessen. Technisch aufwendiger und deutlich teurer, im Wohnhaus meist unnötig.
Was Sie vorher entscheiden müssen
Diese Fragen sollten vor der Beauftragung geklärt sein, weil sie die Technik bestimmen:
- Welche Verbraucher müssen laufen? Daraus ergibt sich die benötigte Leistung – und damit, ob ein Notstromausgang reicht oder eine Ersatzstromlösung nötig ist.
- Wie lange? Ein paar Stunden ist etwas anderes als zwei Tage. Bei einer PV-Anlage lädt der Speicher tagsüber nach, in der dunklen Jahreszeit allerdings nur begrenzt.
- Ist eine kurze Unterbrechung akzeptabel? Für die meisten Haushalte ja. Für einen Serverraum nicht.
- Was macht die Heizung? Moderne Heizungen brauchen Strom für Regelung und Pumpe. Ohne den entsprechenden Stromkreis wird es im Winter unangenehm.
Was es kostet und was es bringt
Ersatzstromfähigkeit ist ein Aufpreis – für die Umschalteinrichtung, für die getrennte Verteilung und häufig für ein anderes Speichermodell, weil nicht jedes Gerät ersatzstromfähig ist. Ob sich das lohnt, hängt weniger an der Rechnung als an Ihrer Situation: Wer im ländlichen Raum wohnt, eine Heizung mit Strombedarf hat oder aus gesundheitlichen Gründen auf Geräte angewiesen ist, bewertet das anders als ein Stadthaushalt.
Wichtig ist nur, dass Sie es vorher wissen. Nachträglich ist die Umschalteinrichtung deutlich aufwendiger, weil die Verteilung neu aufgeteilt werden muss.
Der häufigste Irrtum
„Ich habe einen Speicher, also habe ich Notstrom.“ Das stimmt nur, wenn das Gerät die Funktion mitbringt und die passende Umschalteinrichtung installiert wurde. Steht davon nichts in Ihren Unterlagen, ist sie vermutlich nicht vorhanden.
Sie können das leicht prüfen: Suchen Sie im Inbetriebnahmeprotokoll oder im Angebot nach den Begriffen Ersatzstrom, Notstrom oder Umschalteinrichtung. Wenn Sie unsicher sind, sehen wir uns die Anlage an – auch dann, wenn wir sie nicht gebaut haben, siehe Wartung und Monitoring.
Was zur Speicherplanung sonst noch gehört, steht auf der Seite Stromspeicher.
NexVolt
Wie lange reicht der Speicher im Ernstfall?
Das lässt sich überschlagen. Rechnen Sie zusammen, was tatsächlich laufen muss: Kühlschrank und Gefriertruhe, Heizungsregelung und Umwälzpumpe, Router und Telefon, ein paar Lampen. In vielen Haushalten kommen dabei einige hundert Watt Dauerlast zusammen.
Ein Speicher mit fünf Kilowattstunden nutzbarer Kapazität trägt eine solche Grundlast rechnerisch über etliche Stunden. Kommt Tageslicht dazu und lädt die Anlage nach, kann sich der Zeitraum in der hellen Jahreszeit deutlich verlängern – im Dezember dagegen kaum.
Diese Zahlen sind eine Größenordnung, keine Zusage. Belastbar wird die Aussage erst, wenn wir die tatsächlich vorgesehenen Stromkreise kennen.
Was bei der Planung häufig übersehen wird
- Anlaufströme. Kühlgeräte und Pumpen ziehen beim Anlaufen ein Vielfaches ihrer Nennleistung. Die Ersatzstromquelle muss das kurzzeitig liefern können.
- Die Heizung. Ohne Strom für Regelung und Pumpe bleibt auch eine Gastherme kalt. Dieser Kreis gehört in fast jede Planung.
- Der Garagentorantrieb. Klingt nebensächlich, ist es bei Netzausfall nicht – prüfen Sie, ob eine Notentriegelung vorhanden ist.
- Wasser. Wer eine eigene Druckerhöhungsanlage oder einen Hebeanlage hat, sollte diese mit einplanen.
Und ohne Photovoltaik?
Wer keine Anlage hat, aber trotzdem für einen Ausfall vorsorgen will, landet bei einem Stromerzeuger mit Verbrennungsmotor und einer Umschalteinrichtung. Wichtig ist auch hier: Ein Gerät, das über eine Steckdose eingespeist wird, ist gefährlich und unzulässig. Die Trennung vom Netz muss sicher erfolgen, sonst steht das Netz für Monteure unter Spannung.
Die Umschalteinrichtung ist also in beiden Fällen der eigentliche Kern der Lösung – nicht die Energiequelle.
Unsere Empfehlung
Entscheiden Sie die Frage vor der Beauftragung der Anlage, nicht danach. Wenn Ersatzstrom gewünscht ist, beeinflusst das die Auswahl des Geräts und die Aufteilung der Verteilung – beides lässt sich nachträglich nur mit erheblichem Aufwand ändern.
Und wenn Sie unsicher sind: Eine Vorbereitung der Verteilung, ohne die Umschalteinrichtung heute schon zu setzen, ist ein guter Mittelweg. Was dazugehört, besprechen wir beim Ortstermin – siehe Stromspeicher und Zählerschrank und Verteilerbau.
Wie Sie die Funktion prüfen
Eine Ersatzstromfunktion, die noch nie ausgelöst hat, ist eine Annahme. Wir prüfen sie deshalb bei der Inbetriebnahme aktiv: Netz trennen, Umschaltung beobachten, die vorgesehenen Verbraucher zuschalten und den Rückfall auf Netzbetrieb kontrollieren.
Sinnvoll ist es, diesen Test in größeren Abständen zu wiederholen – ähnlich wie man die Prüftaste eines Fehlerstromschutzschalters betätigt. Bei einem Wartungsvertrag machen wir das mit; ansonsten zeigen wir Ihnen bei der Übergabe, wie Sie es selbst gefahrlos tun können.
Notieren Sie außerdem, welche Steckdosen und Stromkreise im Ernstfall Spannung führen. Diese Information nützt wenig, wenn sie nur im Ordner steht – ein kleines Schild an der Verteilung ist im Zweifel mehr wert.





